Das Aufwärmen

Seien wir mal ehrlich. Läuft das Aufwärmen nicht immer nach dem gleichen Schema ab? Ein paar Runden um den Platz laufen, die meisten tun dies mehr oder weniger motiviert, danach wird wieder ziemlich lustlos gedehnt. Das ist eigentlich recht langweilig, gerade für junge Spielerinnen. Deshalb wird oft diese für sie lästige Phase durch das Erzählen spannender Geschichten überbrückt. Nicht gerade effektiv, wenn man bedenkt, dass die Aufwärmphase sehr wichtig ist, um den Körper auf „Betriebstemperatur“ zu bringen und ihn vor Verletzungen zu schützen.

Deshalb sollte man sich etwas einfallen lassen, damit alle mit Spaß und Einsatz das Training beginnen: Spiele!
Bevor ich nun das ein oder andere Spiel vorstelle, noch ein paar Bemerkungen vorweg. Die Spielerinnen sollten am Anfang des Spiels noch nicht mit vollem Einsatz spielen, denn das würde genau das provozieren, was wir vermeiden wollen, nämlich Verletzungen. Da man den Eifer während des laufenden Spiels aber nicht wirklich dämpfen kann, jeder will schließlich gewinnen, sollte man davor noch eine kurze Aufwärmphase haben. Da kommen wir um das Laufen nicht herum.

Aber auch das Laufen kann man spannend machen und sinnvoll nutzen. Z.B. kann man kleine Gruppen bilden, wobei die Spielerinnen jeweils hintereinander herlaufen. Der Vordermann läuft einen Buchstaben oder eine Zahl ab, und die Hintermänner müssen erkennen um was es sich handelt. Der Vordermann wechselt regelmäßig durch. Des weiteren kann man die Spielerinnen mit Handschuh und Ball laufen lassen. Während sie laufen, müssen sie den Ball nach oben werfen und wieder fangen. Als Variation kann man sie rückwärts oder seitwärts laufen lassen. Sie können auch kreuz und quer laufen, und sich den Ball gegenseitig zutossen. Diese Form des Aufwärmens schult ganz nebenbei auch noch die Koordination, die Spielerinnen freunden sich mit dem Handschuh an, und die Konzentration wird gefördert. Dieses Einlaufen sollte nicht länger als fünf Minuten dauern. Es gibt natürlich noch unzählige andere Formen, aber da ist die Kreativität der Trainer gefragt!
Kreativität ist auch bei den Spielen gefragt. Hier nun zwei Beispiele, die man natürlich beliebig variieren kann.

Spiel 1:
Wir begrenzen ein Spielfeld, z.B. mit Hütchen. An den zwei gegenüberliegenden kurzen Seiten stellen wir Tore auf. Diese Tore können z.B. Screens sein, Eimer, Equipmenttaschen, oder andere Dinge, die wir auf dem Platz vorfinden. Es werden zwei Mannschaften gebildet, jede Spielerin hat einen Handschuh. Jeder Spieler darf nur eine begrenzte Anzahl von Schritten machen, und der Ball darf nur getosst werden. Gewonnen hat, wer die meisten Tore erzielt hat.

Spiel 2:
Wir haben wieder ein begrenztes Spielfeld, und zwei Mannschaften mit ihren Handschuhen. Team A versucht durch underhand-tosses den Ball so lange wie möglich in den eigenen Reihen zu halten. Team B versucht den Ball abzufangen. Die Spielerinnen dürfen wieder nur eine begrenzte Anzahl von Schritten machen, und wenn sie im Ballbesitz sind, den Ball nur kurz in den Händen halten. Ein schnelles Abspiel ist erwünscht, um einen gewissen Spielfluss zu erreichen. Wenn der Ball zu lange in einer Mannschaft ist, kann man die Dauer zeitlich begrenzen, z.B. auf 30 Sekunden. Dieses Spiel fördert den Teamgeist und die Kommunikation zwischen den Spielerinnen.

Die Dauer solcher Spiele sollte nicht länger sein als zehn Minuten. Wichtig ist, dass am Anfang der Spiele das Spielfeld nicht zu groß abgesteckt wird, damit das Lauftempo nicht zu hoch ist. Durch abrupte Stopps und schnelle Richtungswechsel ist die Verletzungsgefahr zu groß. Im Laufe des Spiels kann man dann die Begrenzungen erweitern.
Die Art und Weise, wie der Ball geworfen wird kann während des Spiels, oder von Spiel zu Spiel variieren. Man kann z.B. nur backhand-tosses werfen lassen, oder der Ball darf nur gerollt werden. So kann man, ohne dass die Spielerinnen es merken, schon beim Aufwärmen gewisse Grundtechniken üben.

Wie schon erwähnt bleibt es der Kreativität des Trainers, oder auch der Spielerinnen, überlassen eigene „vereinsspezifische“ Spiele zu erfinden. Man sollte aber immer folgende Dinge beachten:

  • Vor dem Spiel müssen die Spielregeln klar sein.
  • Regelverstöße sollten geahndet werden, z.B. durch den Wechsel des Ballbesitzes.
  • Der Trainer achtet auf den fairen Ablauf des Spiels, und greift zur Not ein. Wenn es am Ende des Spiels nicht klar sein sollte, wer der Sieger ist, muss der Trainer einen benennen.
  • Der Trainer muss flexibel bleiben, d.h. 1. die Bedingungen des Spiel verändern können, wie z.B. die Spielfeldbegrenzung zu verkleinern oder zu vergrößern, und 2. Die Spielausführung verändern, wie z.B. die Wurfart.

Nach diesem allgemeinen Aufwärmen sollten die Spielerinnen Dehnübungen machen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, in jedem Training eine Spielerin zu benennen, die diese Übungen erklärt und vormacht. Durch das Erklären wird das Bewusstsein für die Ausführung der Übungen geschärft. Die Übungen sollten natürlich vorher schon bekannt sein. Der Trainer achtet auf die korrekte Durchführung der Übungen, auf den richtigen Ablauf, und korrigiert auftretende Fehler.
Danach folgt, je nach Trainingsschwerpunkt, das sogenannte spezifische Aufwärmen, also z.B. das Einwerfen, oder Übungen die das Schlagtraining einleiten.

So, nun wünsche ich Euch viel Spaß beim Erfinden diverser Spiele, und vor allen Dingen einen schönen sonnigen Start in die neue Saison!
Eure Steffi


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