Dealing with the Pitcher

Nachdem die Themen für diesen Monat ausgegeben wurden, saß ich eine ganze Weile nur da und habe überlegt, was ich eigentlich mit meinen Pitchern mache? Ich meine, ich trainiere mit ihnen, ich spiele mit ihnen und ich verbringe auch so meine freie Zeit mit ihnen. Natürlich nicht mit allen Pitchern, aber mit denen, die in meiner Mannschaft spielen. Wenn ich so recht überlege verbringe ich ziemlich viel Zeit mit ihnen – speziell mit Sandy Frische. Sie war auch die erste „richtige“ Pitcherin, mit der ich zusammen gespielt habe.

Ich weiß noch genau wie heute, wie ich das erste Mal auf Sandy catchte. Ich spielte damals noch bei den Speyer Turtles und bekam von Mannheim eine Einladung zu einem Turnier in Holland. Nach ein paar Überlegungen, ob es eine gute Idee ist mit einer „fremden“ Mannschaft auf ein Turnier zu fahren, entschloss ich mich dennoch dazu, diese Chance zu nutzen. Ich kannte Sandy und ein paar der Mannheimerinnen damals von der Nationalmannschaft. Auf diesem Turnier lernten sich Sandy und ich erst richtig kennen. Wir hatten viel Spaß miteinander und auch bei den Spielen war es für mich eine völlig neue Situation, dass ein Pitcher mir den Ball dahin wirft, wo ich ihn haben will! Das Turnier und die ersten Erfahrungen mit richtigem Pitching sind mir noch bis heute in Erinnerung geblieben.

Inzwischen habe ich ja das Glück mit Sandy in einer Mannschaft zu spielen. Als ich vor 6 Jahren nach Mannheim wechselte begann auch meine konstante Arbeit mit ihr. Wir hatten regelmäßige Trainings und Spiele miteinander und jedes von diesen brachte und bringt mir weitere Erfahrungen mit ihr, aber auch im Allgemeinen im Umgang mit Pitchern. Dazu kommt natürlich auch, dass ich Lilly Rossetti auf einem Pitcher-Catcher-Lehrgang kennengelernt habe und somit zusätzliche Informationen über Pitcher und das Pitchen sammeln konnte. Diese Kombination von beidem hat mich heute so weit gebracht.

Was mir sehr im Umgang mit Pitchern geholfen hat, sind die Gespräche mit ihnen. Durch das ‚miteinander‘ Kommunizieren lernt man sich besser kennen und verstehen. So kann man als Catcher die Pitcherin lernen einzuschätzen, wie sie sich z. B. beim Pitchen fühlt, auf bestimmte Situationen reagiert, ob sie Angst hat beim Werfen, ob sie sich vertraut, wenn Läufer an 3rd Base steht und so weiter. Solche Erfahrungen können ganze Spiele entscheiden. Wenn ich weiß, wie meine Pitcherin denkt, wenn ich ihre Stärken kenne, dann kann ich auch zu diesen zurückkommen und die Spiele mit ihr gewinnen.

Es gibt ein paar Punkte, die die Zusammenarbeit und das Verständnis zwischen Pitchern und Catchern verbessern:

Im gemeinsamen Training:

  • Catcher lernt die Bewegungen der Pitcherin bei den verschiedenen Pitches kennen (dazu wäre es sowieso von Vorteil, wenn der Catcher die Grund-Pitching-Bewegung kennt, um Fehler zu erkennen und Korrekturen vorzunehmen!)
  • Man erarbeitet gemeinsam Abfolgen von Pitches die gut funktionieren
  • Da auch Counts trainiert werden, weiß der Catcher in welcher Situation welcher Pitch der sicherste ist
  • Der Catcher lernt die Körpersprache seines Pitchers zu lesen und zu deuten, egal ob es sich um positive oder negative Körpersprache handelt. Das ist ganz wichtig für das Spiel später.
  • Der Catcher muss lernen zum Spiegel des Pitchers zu werden. D. h. sie muss die Fehler der Pitcherin sofort erkennen und sie korrigieren. In einem Spiel ist es sehr entscheidend, dass der Catcher mit nur wenigen Schlüsselwörten sofort die Pitcherin zu einer positiven Veränderung der Bewegung bringt
  • Der Catcher hilft dem Pitcher auch im Allgemeinen bei seinen Übungen – im Gegenzug hilft der Pitcher auch dem Catcher bei ihren Übungen

WICHTIG: Pitcher und Catcher lernen durch ihr gemeinsames Training gleich zu denken und sich zu vertrauen. Das ist in einem Spiel die aller wichtigste Sache! Denn ist ein Pitcher in einem Spiel nicht überzeugt einen bestimmten Pitch in einer bestimmten Situation zu werfen, weil sie z. B. einen anderen Pitch im Kopf hat, wie soll sie dann den vom Catcher geforderten Pitch mit voller Überzeugung und mit 100% werfen? Das kann nur gelingen, wenn Pitcher und Catcher gleich denken und im entscheidenden Moment auch die selben Entscheidungen treffen.

Im Spiel:

  • Der Catcher muss die Pitcherin im Spiel leiten, muss sie verbal die ganze Zeit begleiten und sie positiv unterstützen
  • Allerdings, wenn es die Situation verlangt, muss der Catcher auch mal seine Stimme erheben und dem Pitcher klar machen, dass sie sich jetzt zusammenreißen soll. Dies soll nicht in aggressiver Form erfolgen, sondern klar, deutlich und ehrlich. Wenn sich Pitcher und Catcher gut verstehen, weiß auch der Pitcher, wie sie ihren Catcher zu nehmen hat und wie diese es meint
  • P + C lernen im Spiel gemeinsam, wie sie am besten die Batter spielen und wie sie ihre Counts aufbauen. Dies verbessert sich von Spiel zu Spiel durch die Erfahrung die man sammelt. Dadurch erreichen die beiden das Gefühl, dass sie gegen jeden in jeder Situation gewinnen können.

Bei allem, was ich bis jetzt gesagt habe, dürft Ihr eins nicht vergessen: wenn Ihr wollt, dass Euer Pitcher auf Euch hört und Euch bei allen Entscheidungen folgt, erfordert dies Vertrauen. Das bekommt man nicht vom Pitcher geschenkt, sondern man muss es sich über einige Zeit hinweg verdienen.
Darum muss sich der Catcher in seinem Auftreten immer korrekt verhalten, geduldig sein, sie darf sich nicht aus der Ruhe bringen lassen und nicht auf dem Feld herumschreien. Nur so kann sie das Vertrauen ihres Pitchers zu 100% gewinnen (natürlich auch das Vertrauen der anderen Feldspieler).

Versteht mich nicht falsch, das ganze heißt nicht, dass Pitcher und Catcher rund um die Uhr zusammen und die besten Freunde sein müssen. Eigentlich geht es nur um das Vertrauen und die gute Beziehung auf dem Spielfeld.


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