Der „Team-Leader“

Eins der größten Geschenke, das ein Coach bekommen kann, ist ein Team mit guten Leadern. Um die Wahrheit zu sagen, sind Leader heutzutage in allen Bereichen gesucht; in der Arbeitswelt z.B. erleichtern sie der Betriebsleitung ihre Aufgabe und schaffen eine positive und produktive Stimmung unter den Mitarbeitern. In einer Mannschaft ist es nicht anders. Die Leader sind eine unentbehrliche Stütze für den Coach und ein Bezugspunkt für die Mitspieler.

Aber kann man Leader „schaffen“?

Die Antwort auf diese Frage ist höchst interessant. Jeder Coach erlebt irgendwann bei seiner Tätigkeit die Schwierigkeit, die Spielerinnen mitzureißen, mit ihnen zu kommunizieren, sie zum Verständnis für seine Philosophie zu bringen, Einklang mit ihnen zu erreichen. Manchmal kommt man auf die Spielerinnen nicht zu, trotz allem, trotz bester Einstellung.
Das Team hat also ein eigenes Leben, eigene nicht geschriebene Regeln und eigene Bezugspunkte, nämlich seine Leader. Das Team schafft seine Leader, und sie sind nicht immer positiv, wenigstens sind sie nicht immer die richtigen, um die Entwicklung der Gruppe in einer bestimmten Richtung zu fordern.
Ein erster wichtiger aufzuklärender Punkt ist, dass die Anerkennung der Leader in einem Team nicht erzwungen werden kann. Die Mannschaft muss sie von selber als „leitende Figuren“ anerkennen, die eben dann eine wichtige Hilfe werden, wenn die Gruppe als Ganzes einen Schritt nach vorne machen soll. Das sollte spontan passieren und dabei sollte das Emotionale und das Rationale leicht zusammenfallen.
Ein gutes Sportprogramm braucht die Mitarbeit von guten Leadern. Der Coach muss also die Startsituation der Gruppe in Betracht ziehen und die Weise finden, um die Dynamiken innerhalb jeder Gruppe am besten auszunutzen und die positiveren Persönlichkeiten zur Übernahme einer Verantwortung innerhalb des Teams zu bewegen. Das Geheimnis ist, diese Verantwortung bewusst aber nicht aufdringlich auszuüben.

Welche sind die Eigenschaften eines Leaders?

Zu Unrecht könnte man denken, dass ein Leader unbedingt auffallen soll. Im Gegenteil. Ein Leader braucht nicht aufzufallen, denn seine Stärke bedarf keiner Anerkennung seitens der anderen. Seine erste erfolgbringende Eigenschaft ist das Selbstbewusstsein.
Dieses zeigt sich in allen Situationen, im Feld und außerhalb des Feldes. Es entsteht grundsätzlich aus einem innerlichen Gleichgewicht, das die Person vor Anfälligkeiten und Schwächen beschützt. Dadurch kann der Leader Sachen trennen und mit klaren Augen Umstände betrachten, derart also den anderen helfen, gerade wenn Verwirrung und Krisenzeiten entstehen. Durch Humor oder Leichtigkeit kann der Leader in Stress-Situationen andere zum Lächeln bringen und alles in der richtigen Perspektive sehen lassen.
Damit verbunden ist die Ehrlichkeit. Der Leader ist sachlich und wahrheitsliebend. Er mag keine Ausreden und keine Lügen. Es kann sein, dass er auch nicht immer mit dem Coach einverstanden ist, aber sicherlich wird er seine Meinung sachlich und respektvoll auslegen und dadurch wird er einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung des ganzen Programms seines Vereins leisten.
Ein richtiger Leader liebt seinen Sport (oder seinen Beruf) und steckt andere dabei an.
Die Passion für seine Tätigkeit ist also ein anderes unverkennbares Merkmal. Die Wirkung eines Leaders stützt sich eigentlich nicht auf leere Worte, sondern entspringt aus echter Begeisterung und großzügiger Beteiligung, die ihn zu einem mitreißenden Vorbild machen.
In unserer Sportart ist aber der Leader nicht nur ein Protagonist seiner eigenen Leistung, sondern auch der Leistung seines Teams. Die „soziale“, „mannschaftliche“ Dimension dieser Persönlichkeit darf also nicht fehlen. Der Leader ragt dadurch hervor, dass er im Dienste des Teams handelt, spielt, spricht und auftritt. In anderen Worten wird bei ihm die Mannschaft in den Vordergrund geschoben und für das Wohl der Mannschaft wird gehandelt und entschlossen. Genau im Rahmen der Mannschaft findet der gute Leader seinen Platz und seine Verwirklichung; sein Erfolg hat ohne den Erfolg des Teams kaum Wert.

In anderen Worten handelt es sich dabei um ein aufbauendes Element, das auch durch einfache Verhaltensweisen Vertrauen, Sicherheit und Freude vermittelt.
Das alles muss nicht unbedingt durch eine außerordentliche Leistung begleitet sein. Der Leader ist nämlich der, der in der Mannschaft nie fehlen darf, auch wenn er nicht an der Spitze der Statistiken erscheint.


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