Die Tracing-Technik

Ein guter Spieler arbeitet nicht nur an der athletischen und technischen Seite des Spiels sondern auch – und je weiter man geht desto wichtiger wird es – an den mentalen Aspekten seiner Leistung.
Dabei spielt die Konzentration und die Selbstkontrolle eine souveräne Rolle, wie wir schon mal in anderen Artikeln gesagt haben.
Neben Konzentrationsübungen, die eigentlich nicht nur mit dem Sport an sich sondern auch mit der Berufstätigkeit und mit der gesamten Lebenserfahrung zu tun haben, sind auch Übungen wesentlich, welche dem Athleten gerade in den Momenten eine Stütze geben, wenn er gestört oder abgelenkt wird.

Eine goldene Regel: Am wichtigsten ist nicht die Konzentration nie zu verlieren, sondern zu lernen, die unterbrochene Konzentration so schnell wie möglich wieder zu finden.

Das macht eigentlich den Unterschied zwischen Champions und normalen Athleten, da die Sieger die Zeit zwischen einem Fehler oder dem Moment der Ablenkung und der nächsten Leistung benutzen, um komplett abzuschalten und „Reset“ zu machen, so dass sie wieder von Anfang an starten können.

Das ist jedenfalls nicht leicht. Aber einige Techniken und Übungen können dabei helfen. Hier ein Beispiel, das schon vielen Spielern geholfen hat.

Zuerst noch eine kleine Einführung:
Wenn man einen Fehler macht, oder auch nur nachdem man sich abgelenkt hat – z.B. hat man etwas während des Spieles gehört oder gesehen oder einem ist etwas eingefallen, was mit dem Spiel nichts zu tun hat und demzufolge hat man die Konzentration, die ZONE verloren – kann man leicht merken, dass man den so wichtigen Zustand von Konzentration und Natürlichkeitsgefühl verloren hat, wenn man eine schnelle Analyse der inneren Gedanken macht. Die Wahrnehmung der äußeren Welt, die Tatsache, dass das Im-Feld-Sein und die Spielaktion Interferenzen von der Welt außerhalb des Feldes bekommen oder die eigenen Gedanken, die aber um andere, dem Spiel ganze fremde Themen kreisen sind gute Zeichen dieses gefährlichen Zustandes. Wenn der Spieler sich nicht zusammenreißt und einen Weg aus dieser Lage findet, wird er ganz anfällig und er kann sicherlich nur einen Teil seiner Leistung bringen, denn er hat die Kontrolle über sich selbst verloren.

Gerade jetzt soll der Spieler zu einer Technik zugreifen, die ihn schnell in diesen Zustand zurückbringt. Hier sprechen wir also von der TRACING-TECHNIK.
Sie besteht aus der Fähigkeit, sich für eine kurze Zeit – maximal 10 Sekunden – völlig auf einen Punkt oder eine Konturlinie zu konzentrieren und mit den Augen die Formen des ausgewählten Gegenstandes so gut und genau zu befolgen, dass der Kopf derart beschäftigt damit bleibt, dass kein Gedanke und kein Gefühl und keine Wahrnehmung der Außenwelt möglich werden. Dadurch kommt der Spieler zu dem Zustand der absoluten Selbstkontrolle und des Natürlichkeitsgefühls, zu der Situation des „unconscious competent player“, der wieder in der ZONE ist und seine Leistung bringen kann ohne zu denken.

Wie funktioniert das praktisch?

Jeder Spieler soll sich einen Punkt am Feld aussuchen, eine Stelle, die „seine“ Stelle werden wird. Es funktioniert ganz gut mit einer Baumspitze, oder mit dem Scoreboard – den Buchstaben – oder mit etwas anderem, was nicht so unbedingt geradelinig ist – unsere Pitcherinnen hatten das Wort „Deutschland“ auf den Trikots der Mitspieler als Bezugspunkt. Da findet sich der Spieler zu Hause und dahin wird er zurückkommen, sobald er das braucht, um schnell „zurückzufinden“.
Während der Aufwärmen-Phase soll er die Technik einüben und ein paar Mal, auch durch regelmäßige Atmung, sich finden und ein Gefühl des Wohlseins entwickeln.
Im Spiel oder auch beim Pre-game, wenn es eine Drucksituation entsteht und er merkt, dass der Atem ganz kurz ist oder dass er zuviel denkt, dass er sich unsicher fühlt, dass er plötzlich die Leute um sich hört, dann wird er zu seiner Stelle zurückgreifen, 6-8 Sekunden lang seine Augen am Tracing üben und den Kopf ganz entleeren, den Atemrhythmus wiederfinden und zu sich zurückzukommen.

Das ist natürlich nur eine der möglichen Techniken. Versucht mal und dann schreibt mir über eure Erfahrungen damit. Aber nicht vergessen: das alles kommt nicht von selbst, es braucht Übung wie alles andere, was den Sport anbelangt.


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