Schulung koordinativer Fähigkeiten

Für das Erlernen der verschiedenen komplexen Techniken in unserer Sportart, sind gut ausgeprägte koordinative Fähigkeiten Grundvoraussetzung. Gerade im Jugendalter lassen sich diese Fähigkeiten am besten und effektivsten trainieren.

Man unterscheidet sieben koordinative Fähigkeiten:

  1. Kopplungsfähigkeit, ist die Fähigkeit verschiedene Einzelbewegungen zu einem Ganzen zusammen zu fügen. Ein Outfielder muss z.B. einen Catch mit dem anschließenden Crow-hop und dem Wurf zu einem flüssigen Bewegungsablauf verbinden.
  2. Die Rhythmisierungsfähigkeit erlaubt es Bewegungen an vorgegebenen Rhythmen anzupassen. Als Beispiel sei hier die Hitting- oder die Pitchbewegung genannt.
  3. Die Umstellungsfähigkeit ist die Fähigkeit seine Bewegungen einer neuen Situation anzupassen. Als Fielder ist diese Fähigkeit z.B. bei „Bad hops“ wichtig, oder wenn der Gegner auf Base anders reagiert, als man es erwartet hatte.
  4. Die Gleichgewichtsfähigkeit, erlaubt es uns ein statisches oder dynamisches Gleichgewicht während und nach Bewegungsabläufen wieder herzustellen, z.B. bei der Hitting- oder der Wurfbewegung.
  5. Die Reaktionsfähigkeit ist die Fähigkeit schnell auf Signale von außen reagieren zu können. Im Feld müssen z.B. die Corners schnell reagieren können. Auch beim Baserunning ist diese Fähigkeit wichtig.
  6. Die Orientierungsfähigkeit steuert den Bewegungsablauf im Raum. Man braucht sie als Outfielder um Flyballs zu fangen, oder für ein gutes Stellungsspiel beim Baserunning.
  7. Die Differenzierungsfähigkeit ist die Fähigkeit einen Bewegungsablauf angemessen zu dosieren. Z.B. müssen wir die Wurfkraft differenzieren, je nachdem wie weit die Entfernung ist, die wir zu überbrücken haben.

Keine dieser koordinativen Fähigkeiten lässt sich isoliert trainieren. Jede Fähigkeit wirkt immer im Zusammenspiel mit anderen. Bei den nachfolgenden Übungen steht daher immer eine Fähigkeit im Vordergrund, wobei dort natürlich auch andere zum Tragen kommen. Da das Schulen von Koordination nicht unbedingt sportartbezogen sein muss, brauchen wir für diese Übungen noch andere Sportgeräte als unsere geliebten Softballs.

  1. Schulung der Kopplungsfähigkeit
    Bein- Rumpf- und Armbewegungen müssen zu einem ganzen Bewegungsablauf zusammengesetzt werden.
    Die einfachste Übung, die jeder kennt ist der Hampelmann. Arme und Beine müssen im Wechsel aneinander gebracht werden. Man kann variieren, indem man die Abfolge ändert, wie z.B. die Beine und Arme gleichzeitig zusammenzuführen, oder indem man den Rhythmus immer wieder verändert.
    Dann kann man einen Langläufer imitieren, indem man Wechselsprünge nach vorne und hinten macht, und dabei die Arme diagonal mitnimmt.
    Schließlich kann man den Hampelmann mit dem Langläufer kombinieren, indem man zu den Wechselsprüngen des Langläufers die Arme des Hampelmanns dazu nimmt, und umgekehrt. Anspruchsvoll wird es, wenn man in einem bestimmten Rhythmus die Bein- und Armfolge abwechselt.
  2. Schulung der Rhythmisierungsfähigkeit
    Eine einfache Übung für die Halle ist das Mattenbahnlaufen. In bestimmten Abständen liegen Matten, über die es zu laufen gilt. Man kann die Matten in gleichmäßigen Abständen legen, oder auch die Abstände verschieden groß wählen. Eine Variation ist über eine ausgelegte Reifenreihe zu laufen. Diese Reihe kann man auch hüpfend zurücklegen, auf beiden Beinen oder einbeinig.
    Auf dem Feld kann man statt der Matten und Reifen ganz einfach mit dem Kreidewagen Markierungen auf den Boden malen.
    Eine gute Art und Weise Rhythmus zu schulen, ist Bewegungen paarweise spiegelbildlich und synchron ausführen zu lassen. Beispiel: beide Partner haben einen Ball. Der eine prellt einen Ball auf verschiedene Weisen, der andere versucht es spiegelbildlich nachzuahmen.
  3. Schulung der Umstellungsfähigkeit
    Die Umstellungsfähigkeit wird in der Regel bei jedem Spiel, und bei jeder anderen koordinativen Übung angewandt.
  4. Schulung der Gleichgewichtsfähigkeit
    Die einfachste Übung für das statische Gleichgewicht kennt jeder noch von der Schule: die Standwaage. Der Stand ist auf einem Bein, das andere Bein nach hinten gestreckt, die Arme seitlich. Man kann die Übung erschweren, indem man das nach hinten gestreckte Bein abwechselnd zur Brust anzieht und wieder streckt.
    Ähnlich ist die nächste Übung, indem man aufrecht auf einem Bein steht und der freie Fuß seitlich an das Standbein gelegt wird. Die Arme werden nun abwechselnd nach oben, zur Seite und nach vorne gestreckt. Erschweren kann man dies noch, indem man dabei die Augen schließt.
    Zum Trainieren des dynamischen Gleichgewichts eignet sich das Balancieren auf verschieden breiten Unterlagen, wie z.B. einer Bank, einer umgedrehten Bank, oder das Balancieren auf auf den Boden gelegten Seilen. Als Variation kann man zwei Partner aufeinander zubalancieren lassen, die dann auf der Unterlage aneinander vorbeigehen müssen.
    Erschweren kann man das Balancieren, indem man gleichzeitig mit den Händen etwas anderes macht, wie z.B. einen Ball hochwerfen, oder prellen.
  5. Schulung der Reaktionsfähigkeit
    Lauf- und Fangspiele eignen sich am besten dazu, wie das allseits bekannte Stein-Schere-Papier. Der Verlierer muss davonlaufen, der Gewinner ist der Jäger und muss ihn fangen.
    Ein anderes Spiel wird auch partnerweise ausgeführt. Der eine hält in jeder Hand einen Ball auf Kopfhöhe, und lässt einen plötzlich fallen. Der andere versucht ihn zu fangen bevor er auf den Boden fällt.
  6. Schulung der Orientierungsfähigkeit
    Ein schönes Spiel, was man auch zum Aufwärmen nutzen kann, ist das Kettenfangen. Die Spieler verteilen sich in einem abgesteckten Feld. Ein Fänger muss zuerst einen Spieler fangen. Die beiden fassen sich an den Händen und müssen nun zu zweit einen weiteren Spieler fangen. Hat sich eine Kette von vier Spielern gebildet, teilen sie sich, und gehen als zwei Zweier-Ketten auf die Jagd. Dies geht solange, bis keiner mehr übrig ist.
    Bei einem anderen Spiel sitzt die eine Hälfte der Spieler in einem abgesteckten Feld auf dem Boden und breiten ihre Arme krakenförmig aus. Die andere Hälfte der Spieler läuft mit einem Ball prellend um diese Kraken herum, und versuchen ihnen auszuweichen.
  7. Schulung der Differenzierungsfähigkeit
    Hier gibt es unzählige Übungen. Ein Beispiel ist das Zielwerfen von einem bestimmten Ausgangspunkt auf unterschiedlich hoch, oder unterschiedlich weit gelegte Ziele.
    Ein sehr mannschaftsförderndes Spiel ist der Treibball. Zwei Mannschaften stehen sich hinter jeweils einer Absperrung gegenüber. In der Mitte befindet sich ein etwas größerer Ball. Auf ein Startsignal hin versucht nun jede Mannschaft durch werfen von Bällen auf den mittleren Ball, diesen zu der gegnerischen Mannschaft zu treiben. Bitte verwendet dabei nur weiche Bälle!

Wie auch im letzten Artikel sollen diese Beispiele nur Anregungen sein, um eigene Koordinationsübungen zu erfinden. Viele der Übungen können auch, mit ein bisschen Fantasie, auf softballspezifische Übungen umfunktioniert werden. Es ist wieder einmal die Kreativität der Trainer gefragt…

Viel Spaß dabei wünscht Euch
Eure Steffi


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